Democracy Intelligence - Strategische Infrastruktur für demokratische Kommunikation
Unsere Mission
Wir verhelfen der Zivilgesellschaft zu außerparlamentarischer Macht durch strategische, kollaborative Kommunikation.
Der 7-Punkte-Plan für eine starke Demokratie
Bereich 1: Klar sehen, wie Wirklichkeit gemacht wird
- Fremdverzerrung entlarven: Wir analysieren Desinformation, Manipulation und strategisches Framing – und machen sie in Echtzeit öffentlich und datenbasiert verständlich.
- Selbstverzerrung erkennen: Wir helfen dabei, Biases, Affekte und kognitive Verzerrungen zu verstehen. So können Menschen klarer urteilen – und besser kommunizieren.
- Medien einordnen: Wir sorgen dafür, dass Ziele, Algorithmen, Deutungsrahmen und Auslassungen verstanden werden. Wir zeigen auf: Welche Perspektiven fehlen? Welcher Deutungsrahmen wirkt?
Bereich 2: Die eigene Rolle im demokratischen Diskurs begreifen
- Demokratische Selbstwirksamkeit erkennen: Wir vermitteln: Sprache wirkt. Kommentare haben Konsequenzen. Auch Schweigen hat Bedeutung. Wir helfen Menschen dabei, ihre eigene Rolle im demokratischen Diskurs zu verstehen.
- Politische Diskurse besser führen: Wir unterstützen dabei, zuzuhören, zu formulieren und konstruktiv zu streiten – statt zu canceln, zu diffamieren oder zu empören. Wir fördern Diskurskultur durch Tools, Trainings und Vorbilder.
Bereich 3: Die demokratische Wirklichkeit mit gestalten
- Sinnformation fördern: Wir öffnen Zukunftsbilder und helfen dabei, Polarisierung zu überwinden. Wir entwickeln demokratische Narrative, die Hoffnung vermitteln – nicht nur Fakten.
- Vertrauen herstellen: Wir schaffen Vertrauen durch Open Access, Aufrichtigkeit und Transparenz. Wir entwickeln Formate, in denen Menschen wieder glauben dürfen, was sie hören.
Unsere Services
- Medienanalyse und -einordnung
- Tools zur Desinformations-Erkennung
- Demokratische Bildungsangebote
- Diskursförderung und -moderation
- Strategische Kommunikationsberatung
- Open Access Ressourcen
Für wen wir arbeiten
- Zivilgesellschaftliche Organisationen
- Bildungseinrichtungen
- Journalisten und Medienschaffende
- Politische Bildner
- Demokratie-Aktivisten
- Alle, die sich für starke demokratische Kommunikation einsetzen
Blog-Artikel
- Was ist Epistemische Integrität und warum ist sie so wichtig? - Grundlagen der Wahrheitsfindung in demokratischen Prozessen
- Demokratie im digitalen Zeitalter - Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung für demokratische Kommunikation
- KI und demokratische Kommunikation - Ethischer Einsatz von Künstlicher Intelligenz für die Demokratie
- Open Access als demokratisches Prinzip - Warum freier Zugang zu Wissen essentiell ist
- Desinformation erkennen - Praktischer Leitfaden zur Identifikation von Falschinformationen
- Die Macht der Narrative - Wie Geschichten Politik machen und beeinflussen
- Medienkompetenz im 21. Jahrhundert - Kritischer Umgang mit digitalen Medien
Kontakt: Besuchen Sie unsere Website für weitere Informationen und Kontaktmöglichkeiten.
Unsere Legitimation – Warum wir und jetzt?
Wir bewerten, wie Politikerinnen und Politiker kommunizieren. Nicht, was sie wollen, sondern wie sie dafür werben. Das wirft eine berechtigte Frage auf: Wer gibt uns das Recht dazu? Wir nehmen uns kein Recht, das andere nicht hätten. Wir nutzen ein Recht, das jeder hat, und legen die Maßstäbe offen, die wir dabei anwenden.
1. Die Frage
Der DEMOCRACY-Monitor sortiert politische Aussagen auf einer Skala von „konstruktiv" bis „destruktiv". Wer das tut, muss sich zwei Vorwürfe gefallen lassen. Der erste: Ihr spielt euch als Richter auf, obwohl kein Gericht diese Aussagen je beanstandet hat. Der zweite: Ihr moralisiert, ihr verteilt Benimmnoten nach eigenem Geschmack.
Beide Vorwürfe treffen nicht, aber nur, wenn man sauber unterscheidet, was wir tun und was wir nicht tun. Wir behaupten nie, dass eine Aussage verboten wäre. Und wir bewerten keinen Tonfall, keinen Geschmack und keine Person. Wir messen etwas Drittes, und dieses Dritte kommt nicht aus unserem Bauchgefühl, sondern aus dem Grundgesetz.
2. Zwei Freiheiten, die nicht dasselbe sind
Das Grundgesetz schützt in Artikel 5 die Meinungsfreiheit. Jeder darf sagen, was er denkt, auch wenn es falsch, unbegründet, gehässig oder dumm ist. Das Bundesverfassungsgericht hat das seit den 1950er Jahren immer wieder betont: Der Staat darf Meinungen nicht nach ihrem Wert sortieren.
Weniger bekannt ist, warum die Meinungsfreiheit so stark geschützt wird. Das Gericht begründet es mit der freien Meinungsbildung. Die Demokratie funktioniert nur, wenn Bürgerinnen und Bürger sich selbst ein Urteil bilden können, in einem offenen Prozess, „von unten nach oben", ohne dass der Staat oder jemand anders ihnen das Urteil abnimmt. Die Meinungsfreiheit ist das Mittel. Die Meinungsbildung ist der Zweck.
Hier liegt eine Spannung, die die Verfassung bewusst offen lässt. Nicht jede Äußerung fördert die Meinungsbildung. Manche unterläuft sie: durch Angst ohne Grundlage, durch Herabsetzung statt Argument, dadurch, dass man Gegner nicht widerlegt, sondern ihnen die Berechtigung abspricht. All das ist erlaubt. Und all das arbeitet gegen den Zweck, dem die Erlaubnis dient.
Die Verfassung löst diese Spannung nicht auf. Deshalb verpflichtet sie den Staat zur Neutralität und vertraut auf Gegenrede. Wer eine Äußerung kritisiert, einordnet oder bewertet, nutzt dieselbe Freiheit wie der, der sie getan hat. Genau das tun wir.
3. Was sich verändert hat
Das Vertrauen der Verfassung in die Gegenrede beruht auf einer Annahme: dass gute Argumente ihr Publikum erreichen und schlechte im offenen Wettbewerb auffallen. Diese Annahme hat in den letzten Jahren Risse bekommen:
- Auf Plattformen wählt nicht mehr der Leser seine Quelle, sondern der Algorithmus seinen Leser. Empfehlungssysteme belohnen Empörung, nicht Argumentation.
- Medien stehen unter demselben Aufmerksamkeitsdruck. Wer als Politiker Gründe nennt, wird nicht zitiert. Wer delegitimiert, kommt in die Schlagzeile.
- Desinformation ist industriell geworden. Generative KI hat die Produktionskosten auf nahezu null gesenkt.
- Die Lücke wird bewusst genutzt: Grenzen kalkuliert überschreiten, zurückrudern, wiederholen.
- Politiker erreichen ihr Publikum immer öfter ohne Umweg über eine Redaktion.
Es fehlt ein Akteur, der drei Dinge zugleich tut: die Qualität bewerten statt die Richtung, das nach gleichen Maßstäben für alle tun, und das in Echtzeit und sichtbar.
4. Drei Stufen: verboten, erwartet, Geschmackssache
Stufe 1: Was das Recht verbietet. Bewusste Lügen über Tatsachen, Beleidigung, Volksverhetzung. Darüber entscheiden Gerichte. Wir nicht.
Stufe 2: Was die Verfassung erwartet, aber nicht erzwingt. Das Bundesverfassungsgericht hat Regierungen ein Sachlichkeitsgebot auferlegt, Amtsträgern Zurückhaltung, allen politischen Akteuren die Achtung vor dem Bürger als jemandem, der sich selbst ein Urteil bildet. Ob jemand diese Erwartungen erfüllt, ist eine Frage des Grades.
Stufe 3: Geschmack, Stil, Anstand. Ob jemand höflich ist, elegant formuliert oder sympathisch wirkt. Darüber gibt es keine Maßstäbe, nur Vorlieben.
Wir arbeiten ausschließlich auf Stufe 2. Wir messen, ob eine Aussage die Erwartung erfüllt, die die Verfassung selbst formuliert.
5. Erlaubt und trotzdem schädlich
Eine Aussage kann vollkommen zulässig und trotzdem schädlich für die Demokratie sein. Das ist eine Lücke, die die Verfassung bewusst offen lässt. Das Bundesverfassungsgericht hat 2017 die NPD als verfassungsfeindlich, aber nicht verboten eingestuft. Die Auseinandersetzung mit solchen Akteuren, sagte das Gericht, ist Sache der Politik und der Öffentlichkeit.
Wir halten zwei Fragen streng auseinander. Erste Frage: Ist das erlaubt? Darüber urteilen wir nicht. Zweite Frage: Was macht das mit der Fähigkeit der Bürger, sich selbst ein Urteil zu bilden? Darauf antwortet unsere Skala. Und das gilt für alle – dieselbe Technik findet sich auch in der politischen Mitte.
6. Unsere Skala
Wir bewerten jede Aussage in drei Dimensionen: Umgang mit Fakten, Umgang mit Vertrauen, Umgang mit Emotionen. Jede Dimension hat fünf Stufen:
- Konstruktiv: Die Aussage erweitert die Urteilsfähigkeit. Sie nennt Gründe, benennt Unsicherheiten, gibt Gegenpositionen fair wieder.
- Funktional: Die Aussage vertritt eine Position mit Gründen. Sie darf scharf und einseitig sein, verzerrt aber nicht, was der Gegner sagt.
- Neutral: Die Aussage berührt die Meinungsbildung nicht: Organisatorisches, Zeremonielles, Technisches.
- Dysfunktional: Die Aussage umgeht die Urteilsbildung: Angst ohne prüfbare Grundlage, Abwertung ohne Gründe, Personen statt Positionen.
- Destruktiv: Die Aussage zerstört die Voraussetzungen der Urteilsbildung: Institutionen oder Gegner werden nicht kritisiert, sondern ihre Berechtigung wird bestritten.
Was wir nicht tun
Wir fordern keine Verbote, keine Löschungen, keine Sanktionen. Wir bewerten keine politischen Inhalte und keine Personen. Wir nennen niemanden verfassungsfeindlich. Jede Bewertung ist begründet, jede Begründung kann angegriffen werden, und wenn ein Einwand zutrifft, ändern wir die Bewertung und dokumentieren die Änderung.